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Das Interview lief gut, das Briefing war klar, und Du hast gerade den letzten Schliff an Deinem neuen großen Projekt vorgenommen. Du drückst auf „Senden“ – und sofort macht sich dieses unangenehme Gefühl in der Magengrube breit. 

„Was, wenn sie es hassen?“ fragst Du Dich, obwohl Du solche Projekte schon zig Mal erfolgreich abgeschlossen hast. „Bestimmt hatte ich die Male davor einfach nur Glück…" denkst Du, „und diesmal merken sie, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, was ich tue.“

Falls Dir das bekannt vorkommt und Du manchmal glaubst, Dein Erfolg gehört eigentlich jemand anderem, dann willkommen im Club: Du hast Bekanntschaft mit dem Imposter-Syndrom gemacht, dem dunklen Schatten der Ehrgeizigen. Ein gewisser Teil davon liegt einfach in der Natur des Menschen – aber als Freelancer bist Du häufig auf Dich allein gestellt. Es gibt kein Team, das Dich wie ein Netz auffängt, wenn Du fällst (oder wenn Du das Gefühl hast, zu fallen). Wie wir kürzlich schon festgehalten haben: Gegen Einsamkeit und Isolation anzukämpfen ist für Freelancer schwierig – aber ein weiteres Thema, das Solo-Talente ausbremst, ist das Imposter-Syndrom. 

Wie schaffst Du es, dieses Gefühl der Unsicherheit zu überwinden bzw. einen Umgang damit zu finden? In diesem Artikel nehmen wir das Imposter-Syndrom genau unter die Lupe und geben Dir ein paar praktische Tools an die Hand – inklusive:

  • Eine Community aufbauen, die Dir Support und ehrliches Feedback gibt 

  • Entwicklung Deines Selbstvertrauens durch gezieltes Training

  • Gesundheit und Wohlbefinden in Deinen Alltag integrieren, um Dich zu erden

  • Social Proof als Beweis für Deinen Wert sammeln – für Deine Kund*innen und für Dich selbst

Ursprünge des Imposter-Syndroms

Vom Imposter-Syndrom habe ich zum ersten Mal 2014 in dem Buch der Musikerin und TED-Talk-Speakerin Amanda Palmer „The Art of Asking“ gehört. Darin bezeichnet sie das Gefühl so, als würde sie die ganze Zeit nur darauf warten, dass die „Betrugspolizei“ sie festnimmt, weil sie vorgebe, etwas zu sein, das sie nicht ist:

„Die Betrugspolizei ist die imaginäre, furchteinflößende Macht von ‚echten‘ Erwachsenen, von denen Du – auf einer unterbewussten Ebene – glaubst, dass sie mitten in der Nacht an Deine Tür klopfen werden, um zu sagen: Wir haben Dich beobachtet und Beweise dafür gesammelt, dass Du KEINE AHNUNG HAST, WAS DU TUST.“"

Amanda Palmer, The Art of Asking

Eine kurze Recherche zeigt, dass der Begriff schon seit Jahrzehnten existiert: Obwohl es sich nicht um ein offizielles psychiatrisches Krankheitsbild handelt, beschäftigen sich Psycholog*innen bereits seit den 1970er-Jahren mit dem Thema und haben darüber geforscht und berichtet. Dazu gehört auch unter anderem eine Arbeit von 1978, die das Phänomen treffend als „eine psychologische Erfahrung intellektueller und beruflicher Hochstapelei“ beschreibt (Mak, Kleitman und Abbot).

Wikipedia zeigt, dass das gängigste Instrument zur Messung des Hochstapler-Syndroms die Clance Impostor Phenomenon Scale (CIPS) ist, die „die Angst vor Bewertung und das Gefühl der Minderwertigkeit gegenüber Kolleg*innen berücksichtigt“.


Nachdem ich kürzlich mit Giulia Sciota und Samira Abbach gesprochen habe (beide sind Teil des Malts Freelance Advisory Board) können wir Dich beruhigen: Du bist mit diesem Gefühl nicht allein! Sogar auf Reddit stellen Freelancer die Frage: „Wie gehe ich mit dem Imposter-Syndrom um?“

Die Kraft der Community

Die Arbeit als Freelancer bringt oft Einsamkeit mit sich – ein Nährboden für Selbstzweifel. Wenn Du allein arbeitest, wird Deine innere kritische Stimme schnell lauter. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen: Ein Bericht zur mentalen Gesundheit bei Freelancern aus 2024 belegt, dass satte 71,9 % der Freelancer sich isoliert oder einsam fühlen.1 Dieses Ausmaß an Isolation erschwert es, Deinen Fortschritt einzuschätzen und die unvermeidlichen Höhen und Tiefen Deines Geschäfts als normal anzusehen. Genau hier wird Community extrem wichtig. Dich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, liefert Dir einen wichtigen Realitäts-Check, der Dir hilft zu erkennen, dass Du nicht allein bist.

Wie Giulia Sciota, Mitglied des Malt Advisory Boards, sagt, ist gerade der Austausch mit Anderen ein starkes Gegenmittel: „Ich finde, mit anderen Freelancern zu reden, hilft echt total. Du merkst, wie viele damit kämpfen – besonders auch die, die nach außen immer wie Gewinner*innen wirken. Und zusätzlich baust Du Dir ein Support-Netzwerk auf, das extrem hilft, wenn Du mal alleine oder unsicher bist. Außerdem lernst Du dabei eine Menge.“

Neben dem Zuspruch aus der Community, kann der Umgang mit Gleichgesinnten aktiv Deine Entwicklung und Deine Sicht auf Dich selbst beeinflussen. Umgib Dich daher mit Menschen, die gerade dieselben Herausforderungen haben – und auch mit denen, die schon ein paar Schritte weiter sind. So entsteht ein Umfeld, dass Dich inspiriert, motiviert und trägt. Malt Advisory Board-Mitglied Samira Abbach sieht darin ein echtes Wachstumsprinzip: „Wir sind die Summe der Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen. Wenn Du Dich mit inspirierenden Leuten umgibst, die Dir einen Schritt voraus sind, hilft Dir das, von ihnen zu lernen und Deine Zweifel ins rechte Licht zu rücken.“

„Wir sind die Summe der Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen. Wenn Du Dich mit inspirierenden Leuten umgibst, die Dir einen Schritt voraus sind, hilft Dir das, von ihnen zu lernen und Deine Zweifel ins rechte Licht zu rücken.“"

portrait of Samira E-Commerce Project Manager

Samira Abbach

Digital Transformation Expert

Weiterbildung ist Deine Geheimwaffe

Einer der effektivsten Methoden, die „Betrugspolizei“ zum Schweigen zu bringen, ist, Dich mit unanfechtbarer Expertise auszustatten.. Der Zusammenhang zwischen Lernen und Selbstvertrauen ist längst belegt: In einer aktuellen Studie sagen 66 % der Kreativprofis, dass neues Know-how ihr Selbstbewusstsein beim Umsetzen von Projekten stärkt.2 Für Freelancer ist kontinuierliches Lernen also nicht nur eine Aufgabe für die persönliche Entwicklung – es ist eine direkte Investition in Dein Selbstwertgefühl.

Jede neu erworbene Fähigkeit, ob es sich um die Beherrschung der neuesten KI-Tools oder eine Zertifizierung im digitalen Marketing handelt, dient als konkreter Beweis Deiner Kompetenz. So entsteht ein positiver Kreislauf: Je mehr Du lernst, desto besser wirst Du – und umso mehr wächst Dein Selbstbewusstsein. Samira Abbach beschreibt dies als einen sich selbst verstärkenden Kreislauf: „Ich persönlich finde, dass kontinuierliche Weiterbildung auch bei der ‚Arbeit‘ ein echter Selbstvertrauens-Booster ist: Je mehr man lernt, desto legitimer fühlt man sich, und es wird zu einem positiven Kreislauf.“

Malt’s eigene Forschung zeigt, dass Freelancer echte Dauerlerner sind und durchschnittlich vier Stunden pro Woche ihrer Kompetenzentwicklung widmen.3 Wenn Du diese Zeit einem Kurs oder einer Zertifizierung widmest, die sich an gefragten Fähigkeiten auf dem europäischen Markt orientiert – wie Datenanalyse, KI-Integration oder nachhaltige Technologie – steigerst Du nicht nur Deine Marktfähigkeit, sondern baust auch ein solides Fundament an Selbstvertrauen auf.4

Fake it till you make it

Klingt wie ein simple Floskel, aber das Motto „Fake it till you make it“ hat tatsächlich fundierte psychologische Wurzeln. Eins sollte jedoch klar sein: Hier geht es nicht darum, andere zu täuschen – sondern darum, wie Du durch Verhalten Deine Einstellung verändern kannst. Psycholog*innen nennen das „Enclothed Cognition“: Die Klamotten, die Du trägst, haben Einfluss auf Deine Gedanken und Dein Selbstwertgefühl.5 Einfach schon ein bisschen business-tauglicher anziehen – auch im Homeoffice! – gibt Deinem Gehirn das Signal: Ich kann das, ich hab das im Griff.

So proaktiv an Deinem Selbstbewusstsein zu arbeiten, ist eine Fähigkeit, die Du wie jede andere Business-Skill trainieren kannst. Für Giulia Sciota ist das ein Must-Have für Freelancer: „Ich denke, Selbstvertrauen ist generell eine wirklich lohnende Fähigkeit, an der man arbeiten sollte, und als Freelancer ist dies unverzichtbare Das Knifflige ist, dass der Aufbau bei jedem anders aussieht. Für einige ist es einfach Übung – Fake it 'til you make it. Bei anderen muss es wirklich von innen kommen.“ Indem Du verkörperst, der Du werden möchtest – sei es durch die Einnahme einer Power-Pose vor einem wichtigen Meeting oder durch überzeugendes Sprechen bei Verhandlungen – erschaffst Du neue neuronale Bahnen, die strategisches Vertrauen allmählich in einen echten, verinnerlichten Glauben verwandeln.6

„Selbstvertrauen ist eine Fähigkeit, die sich für jeden lohnt und für Freelancer besonders wichtig ist. Das Schwierige: Wie Du es aufbaust, ist ganz individuell. Für manche ist es Übungssache – fake it till you make it. Bei anderen muss es wirklich von tief innen kommen.“ Ob Du Dich vor einem Call mal in Siegerpose wirfst oder bei Verhandlungen mit Überzeugung auftrittst – solche kleinen Aktionen bauen neue Denkmuster auf und machen aus Deinem konstruierten Selbstbewusstsein langsam einen echten, verinnerlichten Glauben an Dich.6

„Selbstvertrauen ist eine Fähigkeit, die sich für jeden lohnt und für Freelancer besonders wichtig ist. Das Schwierige: Wie Du es aufbaust, ist ganz individuell. Für manche ist es Übungssache – fake it till you make it. Bei anderen muss es wirklich von tief innen kommen.“"

Giulia Sciota

Giulia Sciota

Content Strategist, Conceptual Copywriter

Social Proof: Feedback, Bewertungen und Empfehlungen

Deine innere, kritische Stimme findet immer ein Haar in der Suppe, was Dein eigenes Selbstbild angeht – doch mit klaren, externen Fakten tut sie sich schwer. Jetzt schlägt die Stunde des Social Proof: Kund*innen-Feedback, Bewertungen und Testimonials sind das beste Mittel gegen das Imposter-Syndrom. Jedes positive Feedback ist ein konkreter Beweis, dass Du echt was drauf hast.

Das aktive Sammeln solcher Nachweise sollte zu einem festen Bestandteil Deiner Arbeits-Routine werden. Es hilft Dir nicht nur dabei, Dich weiterzuentwickeln – sondern Du baust Dir eine Schatzkiste an Anerkennung auf, auf die Du immer dann zurückgreifen kannst, wenn Du an Dir zweifelst. Unser Freelance Advisor Board empfiehlt: Nach Abschluss eines Projekts unbedingt nach Feedback fragen – auch wenn die Rückmeldung manchmal ausbleibt, sollte Feedback-Forderung fester Bestandteil Deines eigenen „Off-Boardings“ sein.

Dieser Ansatz hat doppelte Power: Nach innen stärkt es Deinen Stolz und Deine Überzeugung. Nach außen wird Deine Reputation sichtbarer und Du ziehst neue, größere Kund*innen an. Unser Malt-Team bestätigt: Bewertungen von Kund*innen ist der Erfolgsschlüssel auf unserer Plattform. „Nach jedem Projekt nach einer Bewertung fragen – das sollte zum Fahrplan aller Freelancer gehören. Social Proof direkt auf Deinem Profil macht Dich für noch mehr Auftraggeber*innen sichtbar.“ Wenn das Feedback-Sammeln zur Gewohnheit wird, baust Du Dir eine Festung an Beweisen auf, die Deine Unsicherheit abhält und Dein Wachstum beflügelt.

Dein Inneres stärken: Hilfreiche Wohlfühl-Praktiken

Der ständige Druck, neue Aufträge zu finden, Projekte zu managen und die Finanzen zu regeln, bedeutet, dass Burnout bei Freelancern ein reales Risiko ist. 2024 berichteten 45 % der Freiberufler*innen von einer Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit und nannten Faktoren wie die Lebenshaltungskosten und Schwierigkeiten bei der Jobsuche.1 Wenn Du Dich überfordert fühlst, kann das Hochstapler-Syndrom leicht Fuss fassen. Deshalb ist der Aufbau innerer Widerstandsfähigkeit durch Wellness-Praktiken keine Kür, sondern eine Notwendigkeit.

Mit der eigenen Gedankenwelt anzufangen bedeutet: Beobachte, was Du denkst, ohne Dich dafür zu bewerten. Samira Abbach empfiehlt, aktiv das eigene Kopfkino zu kontrollieren: „Und dann gibt’s noch die Arbeit am eigenen Inneren: Den inneren Dialog verändern, nicht ständig vergleichen, das ‘Ich bin nicht legitim’ durch ‚Ich bin am Lernen und gehe meinen Weg‘ ersetzen – und vielleicht ein Erfolgstagebuch führen, um sich an den eigenen Wert zu erinnern.“

Meditation und Journaling sind dabei super Tools. Sie verschaffen Dir den Abstand von negativen Gedankenmustern und holen Dich ins Hier und Jetzt.7 Dafür reicht oft schon wenig Zeit – ein paar Minuten täglich genügen. Wie Samira sagt, geht es darum, das Ganze im Alltag zu verankern: „Ich ziehe mich regelmäßig zurück, um innerlich wieder runterzufahren und den Blick für das Wesentliche zu schärfen. Im Alltag arbeite ich an mir durch Meditation, Lesen, Affirmationen und Tagebuch schreiben.“

Quellen

  1. Mental Health in Freelancing during 2024 – Leapers Jahresbericht, abgerufen am 15. Oktober 2025, https://www.freelancing.support/research/mental-health-and-freelancing-2024/
  2. Upskilling And Reskilling In The Creative Industry Statistics – ZipDo, abgerufen am 15. Oktober 2025, https://zipdo.co/upskilling-and-reskilling-in-the-creative-industry-statistics/
  3. Freelancing in Europe | 2022 | Malt, abgerufen am 15. Oktober 2025, https://cdn.malt.com/resources/reports/2022_freelancing_in_europe_en.pdf
  4. Top Digital Skills for European Job Seekers 2025 – Fueler, abgerufen am 15. Oktober 2025, https://fueler.io/blog/top-digital-skills-for-european-job-seekers
  5. The Power of Enclothed Cognition: Dressing for Professional Success – Peak Women, abgerufen am 15. Oktober 2025, https://peakwomen.com.au/blogs/articles/the-power-of-enclothed-cognition-dressing-for-professional-success
  6. Fake It Until You Make It: How to Use Confidence and Preparation to ..., abgerufen am 15. Oktober 2025, https://mentorcruise.com/blog/fake-it-until-you-make-it-how-to-use-confidence-and-preparation-to-advance/
  7. How to Overcome Imposter Syndrome with Meditation (6 Tips) | Mindworks, abgerufen am 15. Oktober 2025, https://mindworks.org/blog/overcoming-imposter-syndrome-meditation/
Jennifer Larsen

Jennifer Larsen

Senior Content Manager

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