Einsamer Mann im Café

Wie vielen Menschen sagst Du an einem ganz normalen Tag „Hallo“? Dem Security am Eingang, der Person am Empfang, der Busfahrer:in, die Dich jeden Morgen mitnimmt, und Deinen Kolleg:innen – unterm Strich sind es oft fünf bis fünfzehn. Unser soziales Umfeld ist ein weit verzweigtes Netzwerk aus Menschen, mit denen wir täglich, wöchentlich oder monatlich in Kontakt sind – persönlich oder online. Dazu zählen sogar die LinkedIn-Kontakte, mit denen wir regelmäßig Kommentare tauschen, die wir aber noch nie 1:1 getroffen haben – weder im Call noch vor Ort!

Unsere Kontakte unterscheiden sich in ihrer Nähe – von persönlich bis beruflich, oft mit Überschneidungen wie in einem Venn-Diagramm. Viele von uns haben mindestens eine:n beste:n Freund:in fürs Leben – kennengelernt im allerersten Job.

Du weißt, wen wir meinen: Aus „Büro-Nachbar:innen“ wurden „Happy-Hour-Kompliz:innen“. Schritt für Schritt seid ihr euch nähergekommen, bis aus einem beruflichen Kontakt eine ganz persönliche Verbindung wurde. Heute ist daraus eine lebenslange Freundschaft geworden – mit der gemeinsamen Erinnerung, dass ihr früher beide derselben nervigen Manager:in unterstellt wart.

Regelmäßige „Hallo“-Momente in Deinem Alltag stehen mit höherem Wohlbefinden in Verbindung – trotzdem kann sich Freelancing manchmal einsam oder isoliert anfühlen. In diesem Artikel schauen wir uns an, woher dieses Gefühl kommt und wie Du Deine beruflichen Beziehungen stärkst (aka Networking) – für mehr persönliche Zufriedenheit und Rückenwind für Deine Karriere. Los geht’s!

Einsamkeit im Freelancer-Alltag

Je nachdem, wie Du Dich als Freelancer organisierst, begegnen Dir im Alltag vielleicht weniger Menschen – und es gibt schlicht weniger Gelegenheiten für ein kurzes „Hallo“. Das kann sich manchmal einsam anfühlen.

Soziale Interaktion ist ein Kernstück unseres Menschseins. Nähe zu anderen – zum Beispiel im Job, mit Kolleg:innen schafft Bindung durch viele kleine Alltagsmomente; sie sind das Rückgrat unseres Menschseins.

Und in Zeiten rasanter technologischer Sprünge wird es gefühlt immer schwerer, echte Gespräche im realen Leben zu führen. Deshalb: Leg bei Networking-Events ruhig mal das Handy weg (mehr dazu gleich …).

Soziale Interaktion ist ein Kernstück unseres Menschseins. Nähe zu anderen – zum Beispiel im Job, mit Kolleg:innen schafft Bindung durch viele kleine Alltagsmomente; sie sind das Rückgrat unseres Menschseins.

Ob Du ganz neu startest oder schon ein alter Hase bist: Der Freelancing-Alltag gibt Dir die Freiheit, Deine Zeit so zu strukturieren, wie es für Dich passt. Bei aller Freiheit gilt aber auch: Du trägst die Verantwortung, Gelegenheiten für soziale Begegnungen zu schaffen – und sie zu nutzen, selbst wenn sie nicht direkt mit Deinen aktuellen Projekten zu tun haben.

Warum sich Netzwerken für Freelancer auszahlt

Erstmal eins vorweg: Allein bei dem Wort „Networking“ bekommen manche einen Schauer. Management-Experte und Business Coach Matthew Rechs formuliert es noch drastischer: „‚Networking‘ ist ein lächerliches Unwort. Es löst reflexartiges Augenrollen und einen tiefen Seufzer aus.“

Aber warum ist das so eine große Sache? Nachdem wir mit einigen Malt Freelancern, einer:m Berufseinsteiger:in und einer:m erfahrenen Berater:in gesprochen haben, lässt es sich einfach zusammenfassen: Networking heißt, die eher beruflich geprägten Beziehungen in Deinem Leben bewusst zu pflegen – gerade die, für die im Alltag nicht automatisch Anlässe entstehen.

Als erfahrener Profi

„Als Freelancer brauchst Du ein agiles Mindset“, sagt Pauline de Turckheim, Grafikdesignerin und frühe Nutzerin von Malt – schon seit 2014, den Anfangstagen der Plattform. "In meinem Alltag bin ich ständig in Bewegung, angetrieben durch meine eigene Neugier. Ich habe wohl Glück über eine Art von emotionaler Intelligenz zu verfügen, die mir dabei hilft Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten." Pauline hat viele der ersten AfterMalt-Events gemeinsam mit Malt organisiert – um Freelancer bei einem After-Work-Drink zusammenzubringen und Erfahrungen zu teilen. Heute ist sie Mitglied unseres Freelancer Advisory Board (FAB) und bringt Einblicke aus dem Projektalltag zurück ins Unternehmen.

„Ich teile meine Erfahrungen kontinuierlich – mit meinen Peers, den Menschen, mit denen ich arbeite, und mit neuen Kontakten. Das ist ein wichtiger Teil dessen, was mich beruflich weiterbringt.“

"In meinem Alltag bin ich ständig in Bewegung, angetrieben durch meine eigene Neugier. Ich habe wohl Glück über eine Art von emotionaler Intelligenz zu verfügen, die mir dabei hilft Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten." "

Pauline de Turckheim

Pauline de Turckheim

Art Directorin & Grafikdesignerin

Warum ist das für Pauline so wichtig? Weil finanzielle Stabilität selbst nach 13 Jahren als Selbstständige ständig im Wandel ist. Für sie ist es überlebenswichtig, ihr Netzwerk aktiv zu nutzen und zu pflegen. Im vergangenen Jahr haben alle vier ihrer langjährigen Auftraggeber:innen Budgetkürzungen vorgenommen – in der Folge verlor sie drei Projekte.
„Sie haben mir gesagt: Es liegt nicht an Dir – es ist einfach kein Budget da. Wir kürzen alles, mindestens bis nächstes Jahr.“

Darum betont Pauline, wie wichtig es ist, berufliche Beziehungen kontinuierlich zu pflegen – die Verbindungen zu Deinen Peers und früheren Auftraggebern. „Für so etwas brauchst Du Dein Netzwerk! Auch wenn alles gut läuft: Bleib mit Menschen in Kontakt.

Dein Netzwerk funktioniert wie ein Sicherheitsnetz, das Dich trägt und Dir die Stabilität gibt, die Du als Freelancer ohne klassischen Arbeitgeber im Rücken nicht hast.

Als Berufseinsteiger:in

Du musst kein alter Hase sein, um den Wert von Networking zu erkennen. „Neue Menschen kennenzulernen ist essenziell“, sagt Eliott Prigent, LinkedIn-Ghostwriter (Freelancer). Seit drei Jahren erkundet und dokumentiert Eliott, wie sich Leben und Arbeiten im Internetzeitalter verändern – mit einem roten Faden: mehr Verbindung, Sinn und Menschlichkeit in unseren Alltag zurückzubringen.

Direkt nach dem Studium startete er als Freelancer. Die Freiheit liebte er – zugleich fühlte sich der Alltag manchmal einsam an. „Ich habe bei bestimmten Projekten gezielt Feedback gesucht – ich brauchte Peers, an die ich mich mit Fragen wenden kann und von deren Erfahrungen ich lernen kann.“ Also tat er etwas dafür: Er suchte sich bewusst Spaces und Events, um sich mit anderen Freelancern zu vernetzen und echte Kontakte aufzubauen.

„Ich habe bei bestimmten Projekten gezielt Feedback gesucht – ich brauchte Peers, an die ich mich mit Fragen wenden kann und von deren Erfahrungen ich lernen kann.“"

Eliott Prigent

Eliott Prigent

Ghostwriter LinkedIn

Networking ist ein zentraler Hebel, um sein Business auszubauen: „Sobald ich nichts produziere, netzwerke ich – zeitlich ist das ungefähr 50/50.“
Heute schwört er auf LinkedIn, um mit Menschen in Kontakt zu kommen – und so hat er sogar einen LinkedIn-Accelerator-Kurs und ein Mentoring-Programm gestartet, um anderen den Einstieg zu erleichtern.

Networking-Tipps für Freelancer

Nachdem wir das „Warum“ geklärt haben, geht’s ans „Wie“. Hier findest Du konkrete, umsetzbare Tipps und Strategien, um Dein berufliches Netzwerk aufzubauen und zu pflegen – sowohl persönlich vor Ort als auch online.

Dein Playbook für persönliches Networking

Können Events vor Ort neue Projekte anstoßen? Für Eliott ist eines ganz klar: „Gelegenheiten fallen nicht vom Himmel - sie kommen von Menschen." Pauline sieht das ähnlich: „Wenn ich mich mit meinen Kolleg:innen austausche, teilen wir ständig Infos und mögliche Gelegenheiten: Jemand erzählt von einem Auftrag, den er nicht übernehmen kann, oder ein:e frühere:r Auftraggeber:in gibt Dir den Kontakt zu jemandem, der gerade sucht. Das ist ein positiver Kreislauf.“

Als Freelancer auf Malt solltest Du den zusätzlichen Vorteil unseres Business Referral Program (BRP) nutzen: Wenn Dir ein:e Auftraggeber:in ein Projekt anbietet, das Du nicht übernehmen kannst, empfehle es über Malt weiter – und erhalte 5 % des Rechnungsbetrags, sobald das Projekt über Malt besetzt und abgerechnet wird!

Céline Nguyen, Relationship-Expertin und Senior Consultant (Relationship Management) bei Malt, gibt Dir diese Tipps mit, wie Du aus jedem Networking-Event vor Ort das Maximum herausholst:

  • Setz Dir eine klare Intention: Wenn Du zu einem Networking-Event gehst, definiere ein klares Ziel: Wen möchtest Du gezielt ansprechen? Welche Fragen kannst Du Menschen stellen, die Du gerade erst kennengelernt hast? Dein Ziel: Menschen neugierig auf Dich machen – statt mit Standardfragen wie „Und was machst Du?“ einzusteigen.

  • Im Raum ankommen & ins Gespräch kommen: Sprich Menschen nicht direkt am Eingang an – dort sind viele noch gestresst, orientieren sich oder scannen, ob sie jemanden kennen. Ebenfalls kein guter Ort: die Toiletten; hier ziehen sich Leute kurz zurück, Ansprechen wirkt schnell ein bisschen „creepy“. Am besten kommst Du an der Bar oder am Buffet ins Gespräch – aber erst, nachdem jemand seine erste Runde geholt hat.

  • Setze auf offene Körpersprache: Verzichte auf die Standardtaktik, aufs Handy zu starren – das signalisiert keine Offenheit. Nimm stattdessen ein Getränk (mit oder ohne Alkohol) in die Hand und misch Dich unter die Leute.

Digitale Präsenz aufbauen

Für Pauline fühlt sich Online-Networking etwas formeller an. Klar: Heute entstehen viele neue Kontakte im Netz. Trotzdem sagt sie: „Wenn ich Menschen persönlich treffe, kann ich mehr ich selbst sein – und ich kann Menschen leichter lesen.“

Für Eliott ist das Posten auf LinkedIn ein zentraler Teil seines Geschäfts. Wie hält er seinen Rhythmus? „Ich schreibe mir Dinge auf, die mich neugierig machen – ich sammle Ideen als Notiz im Handy und mache daraus Posts, sobald ich Zeit habe.“ So bleibst Du in Deinem Netzwerk präsent – und wirst bei passenden Gelegenheiten kontaktiert, ob für Projekte oder andere Networking-Anlässe.

Über die Magie von LinkedIn-Kontakten wurde Eliott einer seiner wichtigsten Inspirationsquellen vorgestellt: dem französischen LinkedIn-Influencer Ulysse Lubin. „Das verdanke ich einer Kette unvorhersehbarer Ereignisse“, erklärt er. „Ich habe etwas sehr Persönliches gepostet – jemand schrieb mir, dass es ihn berührt hat. Später hat mich diese Person zu einem kleinen Networking-Dinner eingeladen, zu dem auch Ulysse eingeladen war. Das hätte ich nie planen können – es war eine wirklich besondere Überraschung.“

Von Eliotts Erfolg inspiriert? So setzt Du seine Strategie um:

  • Lege Dir eine „Curiosity File“ an: Führe in einer Notiz-App eine laufende Liste mit Fragen, Ideen und Beobachtungen aus Deinem Arbeitsalltag. Das ist Deine künftige Content-Goldgrube.
  • Teilen, nicht verkaufen: Richte Deine Posts an echter Neugier und persönlicher Erfahrung aus. Statt „Ich bin ein großartiger Ghostwriter“ lieber: „Mir ist aufgefallen, dass die fesselndsten LinkedIn-Posts eine überraschende Gemeinsamkeit haben.“
  • Mit Absicht interagieren: Nimm Dir täglich 15 Minuten für durchdachte Kommentare unter Beiträgen von Menschen, die Du schätzt. Das baut Sichtbarkeit und Beziehungen auf – lange bevor Du um etwas bitten musst.

Auf Beziehungen bauen

Am Ende geht es beim Netzwerken nicht um erzwungene Gespräche oder krampfigen Smalltalk, sondern darum, echte Beziehungen aufzubauen und eine unterstützende Freelancer-Community zu stärken. Als Freelancer ist Dein Netzwerk eine Deiner wertvollsten Ressourcen: Es liefert nicht nur neue Chancen, sondern auch Zusammenhalt und Stabilität – ein wirksames Gegenmittel gegen Isolation.

Wenn Du Dich aktiv sowohl vor Ort als auch online einbringst, knüpfst Du ein tragfähiges Netz an Kontakten, das Dich beruflich voranbringt und Dir persönlich guttut. Also: Geh raus, vernetze Dich – und wachse daran!


Starte noch heute

Nutze die Impulse aus diesem Artikel, um Deine eigene Strategie für den Aufbau von Beziehungen zu entwickeln. Mach heute den ersten Schritt!

Fünf Fragen, die Dir den Einstieg erleichtern:

  • Wer sind drei Personen in Deinem bestehenden Netzwerk, bei denen der letzte Kontakt mindestens sechs Monate zurückliegt? Schick ihnen diese Woche ein kurzes Check-in – ein freundliches Lebenszeichen mit 1–2 Sätzen.

  • Welche Erkenntnis hast Du kürzlich gewonnen, die für eine:n Deiner Peers nützlich sein könnte?
    Teile sie – online oder direkt mit einer Kontaktperson.

  • Gibt es nächsten Monat ein Branchen-Event (online oder vor Ort)? Melde Dich an!

  • Mit welcher:m früheren Auftraggeber:in hattest Du die beste Zusammenarbeit? Melde Dich mit einer kurzen Nachricht und frag nach, wie es läuft.

  • Was interessiert mich in meinem Fachbereich gerade am meisten? Schreib es auf – als Idee für einen künftigen LinkedIn-Post, so wie Eliott.

Wenn Du Netzwerken in kleine, regelmäßige Schritte übersetzt, baust Du Dir ein unterstützendes Netzwerk auf, das Deine Karriere und Dein Wohlbefinden stärkt.
Also: Geh raus, vernetze Dich – und wachse daran!

Darüber hinaus...

  • Komm zu einem Vor-Ort-Event mit Deinem lokalen Malt Team.
  • Lies diese fünf Fragen, mit denen Du den Aufbau und die Pflege Deines Netzwerks startest.
  • Hinterlasse uns auf LinkedIn einen Kommentar und komm mit anderen Freelancern in Deinem Netzwerk ins Gespräch.

Jennifer Larsen

Jennifer Larsen

Senior Content Manager

Senior Content Manager