Major Retailer

Nach über 20 Jahren in Konzernen, Beratungen und Startups habe ich eines ganz klar erkannt:
Technologie allein – so innovativ sie auch sein mag – ist niemals der entscheidende Erfolgsfaktor.
Echte Transformation gelingt erst dann, wenn Menschen den Wandel nicht nur verstehen, sondern sich ihn zu eigen machen. Wenn sie an den dahinterliegenden Zweck glauben – und die richtigen Mittel haben, um den Wandel in ihren Arbeitsalltag zu integrieren.

Dies ist die Geschichte, wie ich einen der bekanntesten Einzelhändler der Schweiz bei einer umfassenden IT-Transformation begleitet habe: der vollständigen Migration zur Google Cloud Platform (GCP).
Was ursprünglich als Antwort auf Performance- und Kostenprobleme begann, entwickelte sich zu einem umfassenden kulturellen Wandel – und zeigt eindrucksvoll, warum bei jeder Cloud-Transformation der Mensch im Mittelpunkt stehen muss.

Wer hinter dem Projekt steht

Mein Auftraggeber ist ein renommierter Schweizer Einzelhändler mit Filialen in nahezu jedem Kanton. Die Läden gehören für viele Menschen zum Alltag – ob für den schnellen Einkauf zwischendurch oder den größeren Saison-Einkauf. Das Unternehmen genießt einen starken Ruf für Verlässlichkeit und guten Service und ist über Jahrzehnte kontinuierlich gewachsen.

Hinter den Kulissen sah es jedoch anders aus, die IT-Systeme erzählten eine ganz andere Geschichte.
Über Jahre hinweg hatten sich durch zahlreiche Einzelmaßnahmen und technische Ergänzungen komplexe, überalterte Strukturen entwickelt.
Daten flossen nur langsam, Berichte kamen verspätet, und der Kundenservice musste oft mehrere Systeme durchklicken, um eine einzige Frage zu beantworten.

Mit dem weiteren Wachstum des Unternehmens wurden diese Schwächen nicht nur lästig – sie wurden zum echten Risiko.

"Über Jahre hinweg hatten sich durch zahlreiche Einzelmaßnahmen und technische Ergänzungen komplexe, überalterte Strukturen entwickelt.""

Lena Vollmann

Lena Vollmann

Agiles Portfolio Mgmt & Transformation Lead

Was das Unternehmen brauchte

Der Wendepunkt kam, als die Geschäftsleitung erkannte: Ein paar kleinere Upgrades würden nicht ausreichen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Ziele waren klar – aber der Weg dorthin erforderte tiefgreifende Veränderungen:

  • Silos aufbrechen: Veraltete Plattformen und voneinander getrennte Tools führten zu spürbaren Ineffizienzen. Die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen war deutlich langsamer, als sie sein sollte.
  • Skepsis überwinden: Die Mitarbeitenden hatten bereits mehrere „digitale Upgrades“ erlebt – manche erfolgreich, andere weniger. Diese wechselhaften Erfahrungen führten zu echter Change Fatigue, besonders bei langjährigen Teammitgliedern, die stolz auf ihre etablierten Prozesse waren und neuen Systemen mit Zurückhaltung begegneten.
  • Schneller auf Kundenerwartungen reagieren: In einem zunehmend digitalen Markt bedeuteten Verzögerungen bei Bestandsdaten, Reports oder Preisänderungen: verlorene Verkäufe.
    Das Unternehmen musste agiler und datengetriebener werden – ohne dabei an Verlässlichkeit einzubüßen.

Nach der Evaluierung mehrerer Technologie-Stacks kristallisierte sich die Google Cloud Platform als Favorit heraus – nicht nur wegen ihrer technischen Möglichkeiten, sondern auch, weil sie die Ziele des Unternehmens in den Bereichen Skalierbarkeit, Sicherheit und Datenanalyse optimal unterstützen konnte.

Die Frage lautete nun nicht mehr, ob die Cloud der richtige Weg war – sondern: Wie gelingt die Migration so, dass alle im Unternehmen mitgenommen werden?

Mein Ansatz: Menschen in den Mittelpunkt des Wandels stellen

Früh im Projekt wurde mir klar: Der Umzug in die Cloud war weit mehr als ein technisches Vorhaben – er bedeutete tiefgreifenden organisatorischen Wandel.
Denn Studien zeigen immer wieder: Rund 40 % aller IT-Transformationen geraten ins Stocken, weil die Mitarbeitenden nicht mitziehen.
Um das zu vermeiden, haben wir mit Methoden gearbeitet, die sich am ADKAR-Modell von PROSCI orientieren – mit dem Ziel, die Veränderung nicht nur verständlich zu machen, sondern sie nachhaltig zu verankern.

Ich begleitete das Programm über den gesamten Zeitraum von neun Monaten – von der ersten Analyse bis hin zum Rollout und der anschließenden Stabilisierung.
Während dieser Zeit leitete ich ein gemischtes Team aus internen Mitarbeitenden und externen Berater:innen.

Wichtig war mir dabei immer: Es ging nicht darum, etwas „von außen zu übernehmen“ – sondern darum, die vorhandenen Stärken im Unternehmen gezielt zu ergänzen.
Wir brachten neue Perspektiven ein, wo sie sinnvoll waren – und sorgten gleichzeitig dafür, dass die Verantwortung und das Know-how im Unternehmen selbst blieben.

Vertrauen aufbauen, gemeinsame Ziele schaffen

Mein Team startete mit einem klaren Fokus die Führungsebene für ein gemeinsames Ziel zu gewinnen. In einer Reihe praxisnaher Workshops beleuchteten wir sowohl die technischen Vorteile der Cloud als auch die spürbaren Auswirkungen auf die Teams.

Statt uns nur auf IT-Performance zu konzentrieren, stellten wir gezielt Fragen wie:
„Was wird Dein Team künftig schneller erledigen können?“,
„Welche Frustrationen fallen weg?“ oder
„Welche neuen Chancen entstehen daraus?“

Diese Sessions halfen dabei, die Cloud-Migration in eine gemeinsame Business-Vision zu übersetzen.
Und mindestens genauso wichtig: Sie stärkten die Rolle der Führungskräfte als aktive Fürsprecher:innen des Wandels – statt sie als entfernte Entscheider:innen wahrzunehmen.

"Statt uns nur auf IT-Performance zu konzentrieren, stellten wir gezielt Fragen wie: „Was wird Dein Team künftig schneller erledigen können?“, „Welche Frustrationen fallen weg?“ oder „Welche neuen Chancen entstehen daraus?“""

Lena Vollmann

Lena Vollmann

Agiles Portfolio Mgmt & Transformation Lead

Mitarbeitende und Führungskräfte aktiv einbinden

Sobald die Unterstützung der Führung stand, richtete mein Team den Fokus auf die gesamte Organisation.
Veränderungskommunikation scheitert oft daran, dass sie zu abstrakt bleibt. Deshalb setzten wir auf echte Beispiele aus dem Alltag: Wir zeigten, was sich konkret verändern würde – dass Berichte früher verfügbar sein würden, dass weniger Systeme auch weniger Logins bedeuteten, und dass Mitarbeitende im Kundenservice Anfragen künftig mit nur wenigen Klicks beantworten könnten.

Wir haben dabei auch die Herausforderungen nicht verschwiegen. Veränderung ist nicht immer bequem.
Aber wenn Menschen informiert sind und sich gehört fühlen, sind sie deutlich eher bereit, den Weg mitzugehen.
Dafür schufen wir Feedbackschleifen, organisierten Q&A-Sessions und gaben den Teams Raum, ihre Bedenken offen zu äußern – ohne Bewertung, ohne Druck.

Mitarbeitende durch Training stärken

Gezielte Trainingsmaßnahmen vermittelten den Teams nicht nur technisches Know-how – sondern auch Selbstvertrauen.
Statt auf generische Schulungen zu setzen, entwickelten wir rollenbasierte Lernpfade, die sich an den tatsächlichen Aufgaben der Mitarbeitenden orientierten.

Zusätzlich führten wir ein internes „Champion“-Programm ein:
Aus jeder Fachabteilung wählten wir motivierte Teammitglieder aus, bildeten sie frühzeitig aus und befähigten sie, ihre Kolleg:innen im weiteren Prozess aktiv zu unterstützen.

Diese Champions waren ein entscheidender Erfolgsfaktor:
Sie sprachen die Sprache ihrer Teams, genossen Vertrauen – und brachten Energie in die Umsetzung.

Schrittweise und begleitet umsetzen

Statt auf einen überhasteten „Big Bang“-Go-live zu setzen, strukturierten wir den Rollout in kleinere, kontrollierte Phasen.
Nach jeder Welle zogen wir Bilanz: Was hat gut funktioniert? Was nicht? Und was sollte optimiert werden, bevor die nächste Gruppe startete?

Dieser Ansatz gab uns die nötige Flexibilität – und nahm den Teams die Sorge, besonders jenen, die in der Vergangenheit bereits chaotische Einführungen erlebt hatten.
Gleichzeitig konnten wir Zwischenerfolge sichtbar machen und feiern, was zusätzlich Motivation schuf und dem Projekt spürbaren Auftrieb verlieh.

Was dann passierte: sichtbare und wirkungsvolle Ergebnisse

Die Resultate zeigten sich nicht nur in KPIs – sie veränderten spürbar, wie Teams arbeiteten, zusammenarbeiteten und Entscheidungen trafen, insbesondere in IT, Analytics und Marketing.

  • Reibungslosere Abläufe:
    Die IT-Teams mussten keine endlosen Stunden mehr mit der Fehlersuche bei Performance-Problemen oder dem Management verzögerter Batch-Prozesse verbringen.
    Die Umstellung auf GCP ermöglichte Echtzeit-Datenzugriff, automatisierte Updates und stabilere Systemleistung – was Raum für Weiterentwicklung statt Wartung schuf.
  • Echtzeit-Entscheidungen auf Datenbasis:
    Das Analytics-Team erhielt nahezu sofortige Reportings. Damit wurden tägliche Performance-Reviews, schnellere Experimentierzyklen und eine engere fachübergreifende Zusammenarbeit möglich.
    Fragen, die früher erst am Ende der Woche mit viel Datenaufbereitung beantwortet werden konnten, ließen sich nun in wenigen Minuten klären.
  • Neues Vertrauen in Technologie:
    Die Cloud-Transformation machte aus Skeptiker:innen überzeugte Mitgestalter:innen.
    GCP wurde nicht als „noch eine Plattform“ wahrgenommen – sondern als echter Enabler für flüssigere Abläufe, bessere Insights und kürzere Time-to-Market.
    Das Feedback aus den cross-funktionalen Teams zeigte: Das Vertrauen in die Tools – und in die dahinterstehende Umstellung – wuchs spürbar.
  • Hohe Akzeptanz und Beteiligung:
    Post-Migration-Umfragen zeigten eine starke Beteiligung von IT- und Business-Teams.
    Viele nannten insbesondere mehr Autonomie und bessere Zusammenarbeit als klare Vorteile.
    Die interne Change-Community – allen voran die „Champions“ aus Analytics und Marketing – spielte eine zentrale Rolle dabei, die neue Arbeitsweise im Unternehmen zu verankern.
Jetzt Change-Management-Expert:in auf Malt beauftragen

Was wir im Verlauf gelernt haben

Natürlich verläuft keine Transformation genau nach Plan.
Eine unerwartete Herausforderung war die tiefe Verwurzelung bestimmter Reporting-Gewohnheiten. Selbst als leistungsfähigere Tools längst zur Verfügung standen, hielten manche Teams an alten Excel-Tabellen und manuellen Prozessen fest.

Es brauchte Zeit und gezieltes Coaching, um den Mehrwert des neuen Ansatzes sichtbar zu machen – und Räume zu schaffen, in denen ohne Angst vor Fehlern ausprobiert werden konnte.

Am Ende hat sich dieses Investment ausgezahlt: Die neue Arbeitsweise wurde breiter angenommen – und tiefer im Unternehmen verankert.

Wie geht es nun weiter?

Dieses Projekt war nie nur ein Infrastruktur-Upgrade.
Es ging darum, die Basis für eine agilere, datengetriebene Organisation zu schaffen.
Durch die Migration zur Google Cloud Platform – und ein gezielt gesteuertes Change Management – konnte das Unternehmen zentrale IT-Prozesse verschlanken, die Datenverfügbarkeit verbessern und interne Reibungsverluste abbauen, die Entscheidungen zuvor jahrelang ausgebremst hatten.

Am deutlichsten spürbar war die Veränderung in den Bereichen IT und Analytics:
Statt Fehlerbehebung und Systempflege standen nun wertschöpfende Aktivitäten im Mittelpunkt.
Dazu zählten optimierte Datenflüsse, eine höhere Service-Stabilität und besserer Zugriff auf Insights – über alle Abteilungen hinweg. Echtzeit-Reporting wurde zur neuen Normalität.
Projekte, die früher an technischen Einschränkungen scheiterten, konnten nun mit deutlich mehr Sicherheit getestet, ausgerollt und skaliert werden.

Eine zentrale Erkenntnis aus diesem Projekt:
Technischer Erfolg funktioniert nur im Zusammenspiel mit organisatorischer Bereitschaft.
Der schrittweise Rollout – getragen von internen Champions und einer Kommunikation, die auf Zielgruppen abgestimmt war – gab Teams die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, anstatt den Wandel nur passiv zu erleben. Diese Balance aus klarer Struktur und flexibler Begleitung war entscheidend, um langfristig Fortschritt zu sichern.

Und was kommt jetzt? Für dieses Unternehmen: kontinuierliche Weiterentwicklung.
Das bedeutet: neue Funktionen optimal nutzen, Automatisierungspotenziale erschließen und die entstehende Datenkultur weiter stärken. Für andere Unternehmen lautet die Erkenntnis:
Transformation ist kein Ziel – sondern ein Prozess. Und der gelingt am besten, wenn Systeme und Menschen gemeinsam wachsen können.

Lena Vollmann

Lena Vollmann

Agiles Portfolio Mgmt & Transformation Lead

Lena Vollmann - Agiles Portfolio Mgmt & Transformation Lead