A woman appears stressed while working on laptop.

„80 % fertig“ – und Du mittendrin

Der Go-Live wurde verschoben, das Budget ist fast aufgebraucht, der Scope wirkt diffus – und plötzlich scheint „Qualität“ verhandelbar. Genau hier landest Du als Freelancer im Auge des Sturms. Deine Rolle: Ruhe reinbringen, Struktur schaffen, Entscheidungen ermöglichen.

Typische Signale dafür, dass es brenzlig ist, siehst Du früh: „80 % fertig“-Status über Wochen, Meetings werden abgesagt, Dokumentation fehlt, Termine rutschen, die Stimmung kippt – und erste Sätze wie „Die User verstehen nicht, was wir tun“ machen die Runde. Nimm diese Indikatoren ernst und handle, bevor die Testphase zur Eskalation wird.

Meet the Experts aus der Krisenintervention

Christoph Lefkes und Daniel Goldberg greifen in ERP-Großprojekten dann ein, wenn Termine wackeln, Budgets aufgebraucht sind und niemand mehr so genau weiß, was eigentlich noch geliefert werden soll. Statt Beraterfloskeln gibt’s operative Verantwortung: Entscheidungen vorbereiten, einfordern, nachhalten – mit dem Ziel, Teams wieder in die Lage zu versetzen, selbst zu steuern.

Lefkes bringt über zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Sanierung komplexer SAP-Programme mit, Goldberg ergänzt mit tiefem Delivery-Know-how aus internationalen S/4HANA-Einführungen. Als Duo zeigen sie, wie man Projekte wieder auf Kurs bringt – nicht theoretisch, sondern mit klarer Haltung, erprobten Strukturen und dem Blick fürs Machbare.

„Wir fangen da an, wo andere aufhören.“"

Portraits von Christoph Lefkes und Daniel Goldberg - dem Krisenmanagement Duo für Großprojekte

Christoph Lefkes & Daniel Goldberg

Krisenmanager für Großprojekte & Gesellschaftender Geschäftsführer der ANOWASH GmbH

In der Expert Session haben sie genau das greifbar gemacht: Wie Krisen entstehen – und vor allem, wie man sie umdrehen kann. Was Du daraus für Deine Rolle als Freelancer mitnimmst, liest Du jetzt.

Wenn Warnzeichen zu spät erkannt werden

Wenn Projekte kippen, passiert das selten über Nacht. Viel häufiger kündigt sich die Krise leise an – über Wochen, manchmal Monate. Und genau darin liegt die Gefahr: Weil es nicht laut kracht, wird lange beschwichtigt, relativiert oder einfach weitergemacht.

Für Dich als Freelancer liegt hier ein entscheidender Hebel: Du bist oft nicht Teil der internen Betriebsblindheit. Du siehst, hörst und spürst Dinge, die andere ausblenden. Wenn Du lernst, die typischen Frühwarnzeichen richtig zu deuten – und souverän anzusprechen – kannst Du Projekte stabilisieren, bevor es überhaupt zur Intervention kommen muss.

Aus der Session von Lefkes und Goldberg wurden drei Projektphasen herausgearbeitet, in denen sich Schieflagen ankündigen – mit jeweils klaren Indikatoren:

1. In der Vorphase

  • Unklare Zielbilder oder widersprüchliche Erwartungen
  • Stakeholder mit unterschiedlichen Narrativen, die nicht zusammenfinden
  • Projektziele werden mit Schlagworten beschrieben, nicht mit konkreten Outcomes
  • Erste Workshops bleiben auf der Metaebene stecken

2. In der Umsetzung

  • „80 % fertig“-Statusmeldungen über Wochen
  • To-dos und Tickets werden verschoben, nicht gelöst
  • Meetings fallen aus oder werden rein formal abgehalten
  • Projektteams wirken ausgelaugt oder zunehmend zynisch
  • Keine Klarheit, wer eigentlich Entscheidungen treffen darf

3. In der Test- und Abnahmephase

  • Qualität wird plötzlich relativiert („Ist ja nur ein MVP…“)
  • Scope-Diskussionen starten von vorn
  • Last-Minute-Anpassungen ohne Nachvollziehbarkeit
  • Abhängigkeiten zwischen Teams sind nicht mehr überblickbar
  • Go-Live-Termine werden zum Politikum

Diese Signale früh zu erkennen, ist wichtig – doch entscheidend ist, was Du daraus machst. Statt sie im Stillen zu registrieren oder den Finger zu heben, bring sie klar, konstruktiv und im richtigen Moment ein. Nicht als Kritik, sondern als Einladung zur Klärung:

„Wollen wir gemeinsam nochmal auf die Projektziele schauen – was genau soll eigentlich erreicht sein, wenn wir live gehen?“ So schaffst Du Raum für Orientierung – genau dann, wenn das Projekt sie am dringendsten braucht.

Struktur statt Bauchgefühl: Wie Du die Lage richtig einschätzt

Wenn Projekte ins Schlingern geraten, verlieren viele Beteiligte das Gefühl dafür, wo sie eigentlich stehen. Genau hier kommt Deine Rolle als Freelancer ins Spiel.

Statt in Daten zu ertrinken oder in Meetings zu verharren, schaffst Du Klarheit. Nicht durch Masse, sondern durch Fokus. Lefkes und Goldberg empfehlen in der ersten Phase, bewusst schlank und gezielt vorzugehen – mit einer Bestandsaufnahme, die Fragen stellt statt Unterlagen sammelt.

Konkret heißt das:

  • Greif zu den fünf Kern-Artefakten:
    Statusberichte, Scope-Item-Liste, Prozessdokumentation, Fachkonzepte, Architekturbilder.
    Die reichen oft aus, um ein erstes strukturiertes Bild zu gewinnen – ohne Dokumentenflut.
  • Führe 1:1-Gespräche mit Schlüsselpersonen aus Fachbereich und Projektleitung.
    Frag nach offenen Grundsatzentscheidungen – oft gibt es Themen, die alle kennen, aber niemand wirklich löst.
  • Stell nicht die Tools, sondern die Substanz in den Mittelpunkt:
    Was ist wirklich abgestimmt, was wurde nur angenommen? Welche Ziele sind gesetzt – und gibt es einen klaren Leistungsschnitt?

Diese ersten Schritte ersetzen kein vollständiges Audit – aber sie ermöglichen etwas Wertvolleres: eine realistische Lageeinschätzung, die nicht auf Bauchgefühl, sondern auf überprüfbaren Fakten basiert.

Im nächsten Abschnitt schauen wir darauf, wie Du aus dieser Klarheit konkrete Entscheidungen ableitest – und wie Du dabei mit einem Decision Board Struktur ins Projekt bringst.

Vom Lagebild zur Entscheidung: Wie Projekte wieder steuerbar werden

Eine Lageeinschätzung allein reicht nicht. Viele Projekte scheitern nicht an fehlenden Informationen – sondern daran, dass niemand die offenen Entscheidungen priorisiert, greifbar macht und zur Klärung bringt. Das Ergebnis: Alles hängt miteinander zusammen, nichts bewegt sich wirklich.

Genau hier setzt das Decision Board an – eines der zentralen Tools aus der Expert Session. Es hilft Dir, die wichtigsten Themen sichtbar zu machen, die derzeit blockieren, und diese strukturiert in die Entscheidung zu bringen.

So funktioniert’s:

  • Du sammelst zunächst alle offenen Grundsatzentscheidungen – z. B. zu Prozessen, Verantwortlichkeiten, Schnittstellen, Umfang.
  • Diese Entscheidungen kommen auf ein zentrales Board – priorisiert nach Wirkung aufs Projekt (nicht nach politischer Dringlichkeit).
  • Du etablierst einen festen Entscheidungsrhythmus, idealerweise mit Process Ownern oder Projektverantwortlichen, und hältst Ergebnisse verbindlich fest.
  • Jede Entscheidung wird in ihren Auswirkungen dokumentiert: Was ändert sich? Wer ist betroffen? Wo muss nachgesteuert werden?

Dieses Vorgehen bringt nicht nur Bewegung ins Projekt – es verändert auch die Stimmung. Denn sobald sichtbar wird, dass Entscheidungen nicht mehr in Endlosschleifen hängen bleiben, entsteht Vertrauen in Fortschritt. Der Knoten beginnt sich zu lösen.

Im nächsten Abschnitt erfährst Du, wie Du das richtige Kernteam aufstellst – und warum es auf Mandat ankommt, nicht auf Masse.

Mit dem richtigen Kernteam schneller entscheiden

In vielen Projekten gibt es jede Menge Meetings, Rollen und Lenkungskreise – aber trotzdem bleibt alles hängen. Das liegt oft daran, dass niemand wirklich entscheiden kann oder will. Genau hier setzen Lefkes und Goldberg an: mit einem kleinen, handlungsfähigen Kernteam, das nicht blockiert, sondern voranbringt.

Konkret heißt das: Für jede betroffene Organisationseinheit – zum Beispiel Fachbereich, IT oder Architektur – wird eine Person benannt, maximal zwei, die aktiv am Projekttag teilnehmen und Entscheidungen vorbereiten, einfordern und mittragen können. Diese Personen sitzen nicht in entfernten Steuerungsgremien, sondern sind täglich im Projektraum präsent, arbeiten eng zusammen und lösen gemeinsam konkrete Abhängigkeiten auf.

So entsteht ein Arbeitsmodus, in dem Klarheit herrscht, Entscheidungen schneller fallen und das Projekt wieder steuerbar wird – ohne endlose Abstimmungsschleifen oder politische Verzögerungen.

Wie ein klarer Lieferprozess Projekte stabilisiert

Ein Projekt kann noch so viel leisten wollen – wenn unklar ist, was wann wie fertig ist, gerät alles ins Stocken. Genau deshalb setzen Lefkes und Goldberg auf einen Lieferprozess, der Verlässlichkeit schafft: mit klaren Kriterien, definierten Rollen und verbindlichen Übergaben.

Diese vier Prinzipien bringen Struktur in die Delivery:

  1. Definition of Done
    Für jeden Liefergegenstand ist festgelegt, was „fertig“ bedeutet – fachlich, technisch und dokumentarisch.
  2. Quality Gates
    Ergebnisse werden vor der Übergabe intern geprüft. So werden Fehler und Missverständnisse frühzeitig erkannt.
  3. Benannte Rollen
    Rollen wie der Release-Manager sind klar beschrieben – inklusive Zuständigkeit für Transporte, Abnahmen und Abhängigkeiten.
  4. Klarer Ablauf
    Wer liefert, kennt die Erwartungen. Wer abnimmt, weiß, was geprüft werden muss. Übergaben werden verbindlich dokumentiert.

Diese Struktur sorgt dafür, dass Projekte nicht nur bewegt, sondern wirklich vorangebracht werden – Schritt für Schritt, nachvollziehbar und testbar.

Go-Live ohne Drama: Wie ein klarer Cut-Over das Projekt rettet

Kaum ein Projektschritt wird so unterschätzt wie der Go-Live. Während alle noch mit Tests, Fixes oder Trainings beschäftigt sind, rückt der Termin näher – und plötzlich wird aus einem geplanten Übergang eine Nacht- und Nebelaktion. Was fehlt, ist kein Einsatzwille, sondern Struktur.

Lefkes und Goldberg machen in der Expert Session klar: Ein stabiler Go-Live braucht ein detailliertes Cut-Over-Drehbuch – nicht am Vorabend, sondern rechtzeitig vorbereitet und im Team abgestimmt.

Was dieses Drehbuch enthält:

  • Einen minutengenauen Ablaufplan für die Umschaltung – inklusive Fallback-Szenarien
  • Klar benannte Verantwortliche für jeden Schritt – inkl. Eskalationspfaden bei Problemen
  • Vorab definierte Entscheidungswege, falls ungeplante Situationen eintreten
  • Eine abgestimmte Kommunikation für alle Beteiligten – intern wie extern
  • Simulierte Go-Live-Durchläufe, um Schwachstellen früh zu erkennen
  • Geklärte Zuständigkeiten für Transportwesen, Testdaten und User-Schulung

Der Unterschied zur typischen Last-Minute-Hektik? Alle wissen, was wann passiert – und was passiert, wenn es nicht wie geplant läuft. So wird aus dem Go-Live kein Risiko, sondern ein echter Meilenstein.

Du bist als Freelancer ein entscheidender Erfolgsfaktor in Krisen

In Krisenprojekten geht es nicht darum, Schuldige zu finden – sondern Strukturen, die wieder tragen. Die Expert Session hat gezeigt: Wer früh hinschaut, Klarheit schafft und Verantwortung ermöglicht, bringt auch verfahrene Projekte wieder in Bewegung. Als Freelancer bist Du in solchen Situationen kein Lückenfüller, sondern entscheidender Impulsgeber: Du hilfst, Entscheidungen greifbar zu machen, Teams handlungsfähig zu halten – und Komplexität wieder steuerbar zu machen.

Denn genau dort, wo andere aussteigen, fängt Deine Wirkung erst an.

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Christoph Lefkes

Daniel Goldberg

www.SAP-Krisenintervention.de

Foto von der Autorin Maria Volz

Maria Volz

Freiberufliche Autorin | Konzept, Storytelling, Redaktion

Maria Volz - Freiberufliche Autorin | Konzept, Storytelling, Redaktion

Sieh Dir hier die ganze Malt Expert Session an: