Freelancing bietet Dir ein hohes Maß an Flexibilität und Unabhängigkeit – aber es braucht Effizienz.
Zeit ist Deine wertvollste Ressource. Alle Aufgaben zu managen und gleichzeitig Kund:innenbeziehungen im Blick zu behalten, kann da schnell zur Herausforderung werden.
Hier kommen Automatisierung und KI-Agents ins Spiel – leistungsstarke Werkzeuge, mit denen Du Deinen Workflow grundlegend verbessern kannst. In einem Webinar mit dem Malt-Team zeigt der unabhängige KI-Stratege und Dozent am University College London, Justin Tan, wie er diese Technologien gezielt einsetzt – und gibt praxisnahe Tipps für alle Freelancer, die ihre Arbeitsweise optimieren und das nächste Level erreichen wollen.
In diesem Deep Dive stellen wir Dir eine Auswahl an Tools vor – inklusive konkreter Anwendungsbeispiele und Nutzen speziell für Freelancer.
Workflow-Automatisierung und KI-Agents verständlich erklärt
Die Welt der KI ist für viele noch neu – und das Fachvokabular kann je nach Erfahrungsstand ganz schön verwirrend sein. Bevor Du loslegst, ist es wichtig, den Unterschied zwischen Workflow-Automatisierung und KI-Agents zu verstehen – zwei verschiedene Konzepte innerhalb des Themas Künstliche Intelligenz.
„Automatisierungen sind Systeme, die wiederkehrende Aufgaben ausführen“, erklärt Justin, „und das auf Basis vorher definierter Regeln.“
Gemeint sind also Aufgaben, die sich ständig wiederholen, leicht zu erledigen sind oder einem klaren Schema folgen – und trotzdem enorm viel Zeit im Arbeitsalltag kosten.
KI-Agents hingegen sind ein gutes Stück weiter – sie sind flexibler und können komplexere Aufgaben übernehmen.
„Du musst ihnen keine Schritt-für-Schritt-Anleitung geben“, sagt Justin. „Du gibst ihnen einfach ein Ziel, ergänzt um ein paar Do’s und Don’ts – und sie versuchen, die Aufgabe selbstständig zu lösen, mithilfe natürlicher Sprache.“
Natürlich steckt diese Technologie noch in den Kinderschuhen – perfekt ist sie längst nicht.
Aber: Freelancer profitieren schon jetzt von überraschend vielen Anwendungsmöglichkeiten im Alltag.
Diese Tools solltest Du beherrschen, um Deinen Freelance-Workflow zu optimieren
Justin ist Berater mit unstillbarem Entdeckergeist – sobald neue Tools auf dem Markt erscheinen, testet er sie als einer der Ersten.
Hier kommt seine Auswahl an Empfehlungen, die Freelancer kennen sollten, um Zeit zu sparen und ihre Abläufe effizienter zu gestalten:
1. ChatGPTs o3-Modell
Zum Einstieg zeigt uns Justin, wie er ChatGPT nutzt. Wer die kostenpflichtige Version verwendet, kann zwischen verschiedenen Modellen wählen – oder wie er es nennt: „verschiedenen Gehirnen“.
Warum nutzt er das o3-Modell? Weil es „besonders gut in fortgeschrittener Argumentation ist und als agentisches Modell funktioniert“ – das heißt, es kann eigenständig entscheiden, welche Tools es für eine Aufgabe braucht, und diese gezielt einsetzen.
Ein Beispiel: Wenn er eine Tabelle hochlädt und eine allgemeine Aufgabe vorgibt – etwa die Erstellung einer Finanzprognose – kann das o3-Modell eigenständig recherchieren, Daten analysieren und strukturierte Berichte erstellen.
Für Freelancer bedeutet das: Du kannst Stunden an Recherche und Datenanalyse sparen.
Stell Dir vor, Du gibst nur Rohdaten und eine grobe Zielsetzung ein – und bekommst fundierte Berichte oder Finanzmodelle zurück.
Aber: Justin betont, dass genau hier Deine Rolle entscheidend bleibt.
„Du bist nach wie vor sehr, sehr wichtig – um Annahmen zu prüfen, blinde Flecken zu erkennen und die Ergebnisse zu verfeinern,“ sagt er.
„Das Tool übernimmt die Schwerstarbeit – damit Du Dich auf Strategie und Feinschliff konzentrieren kannst.“
Vielleicht stellst Du Dir – wie eine:r der Freelancer im Webinar – gerade selbst die Frage:
„Wie kann man eigentlich die Ergebnisse solcher Modelle bewerten?“
Justins Empfehlung: Sammle Erfahrung mit verschiedenen Tools und gewöhne Dir an, die Ergebnisse mit anderen Modellen gegenzuprüfen. Außerdem lohnt es sich, Deine Prompts gezielt so zu formulieren, dass das Risiko von Halluzinationen reduziert wird (also falsche oder erfundene Inhalte, die das Modell überzeugend präsentiert).
Ein weiterer Tipp von Justin: Verwende bei längeren Prompts Markdown-Formatierungen, um dem Modell die Strukturierung des Inputs zu erleichtern.
„Manche meiner Prompts sind zehn Seiten lang … Wenn Du einfach einen riesigen Block Text ohne Struktur reingibst, kommt die KI – genau wie ein Mensch – schnell durcheinander.“
Sein Vorschlag: Nutze Hashtags als Gliederungshilfe, zum Beispiel mit Abschnitten wie #Kontext oder #Anweisungen.
2. Manus: Ein browserbasierter KI-Agent
Um bei webbasierten Aufgaben Zeit zu sparen, nutzt Justin Manus – einen browserbasierten Agenten. Was bedeutet das genau? „Im Grunde ist es wie ein Mensch, der sich durchs Web navigiert,“ erklärt er.
Sobald Du eine Anleitung gibst, kann Manus Aufgaben für Dich auf verschiedenen Websites übernehmen: Formulare ausfüllen, Buttons klicken, Suchanfragen ausführen, Daten sammeln – und sogar Code schreiben, um Berichte oder Dashboards zu erstellen.
Ein aktueller technischer Haken: CAPTCHA-Formulare kann Manus bislang noch nicht ausfüllen – das kann gelegentlich dazu führen, dass automatisierte Suchen unterbrochen werden.
Ein besonders spannendes Beispiel, das Justin vorgestellt hat:
Manus beim Aufbau einer Kundenliste für ein AI-Consulting-Unternehmen.
Das Tool extrahiert dabei Daten von verschiedenen Websites und erstellt ein übersichtliches Dashboard mit den wichtigsten Firmeninformationen.
Justin betont aber auch: Browserbasierte Agents sind zwar leistungsfähig und flexibel – aber noch nicht vollständig zuverlässig. Trotzdem zeigen sie bereits jetzt das enorme Potenzial, wie sich webbasierte Aufgaben automatisieren lassen – und damit Zeit und Aufwand für Freelancer deutlich reduzieren können.
Manus hat zudem eine aktive Community, in der User eigene Anwendungsbeispiele teilen und regelmäßig Meetups in verschiedenen Städten weltweit organisieren.
Beim Einstieg erhältst Du ein Startguthaben in Form von Credits – danach ist das Tool kostenpflichtig.
3. Zapier: No-Code-Automatisierung für Deinen Alltag
Als Nächstes stellt Justin Zapier vor – eine bekannte No-Code-Plattform zur Automatisierung, die Tausende vorgefertigte Integrationen bietet.
„Zapier macht es extrem einfach, Workflows per Drag-and-Drop aufzubauen,“ erklärt er.
Ein besonders nützliches Anwendungsbeispiel aus Justins Alltag: Belege automatisch verarbeiten.
Er schickt Fotos von Quittungen einfach an eine Zapier-Mailadresse – das Tool extrahiert die Daten, formatiert sie automatisch und speichert sie in Google Sheets und Dropbox.
„Ich habe den Zeitaufwand für Belege dadurch um 80 bis 90 Prozent reduziert,“ sagt Justin.
„Wie viel Zeit (und Nerven!) mir das spart, ist wirklich enorm.“
Für Freelancer, die wiederkehrende Admin-Aufgaben automatisieren wollen, ist Zapier eine extrem hilfreiche Lösung – ob Dateneingabe, Dokumentenverarbeitung oder Organisation.
Und das Beste: Du brauchst keinerlei Programmierkenntnisse – die Plattform ist für alle zugänglich.
4. n8n: Visuelle Automatisierung und KI-gesteuerte Workflows
Was n8n auszeichnet: eine intuitive, visuelle Benutzeroberfläche und die Möglichkeit, die Logik KI-gesteuerter Workflows individuell zu gestalten.
Ein Beispiel aus Justins Praxis: eine Automatisierung, die sein CRM mithilfe von Meeting-Notizen aus Fathom aktualisiert.
So funktioniert’s: Fathom verschickt nach dem Meeting automatisch eine E-Mail an Justins Gmail-Account. n8n erkennt die E-Mail, fasst die Notizen zusammen, prüft die Zeichenanzahl (damit sie unter dem 2.000-Zeichen-Limit in Notion bleiben – Justins CRM-Tool), durchsucht das CRM, erstellt oder aktualisiert den Eintrag – und verschiebt die Mail abschließend in den richtigen Ordner.
„Allein damit spare ich mir locker 15 Minuten am Tag,“ sagt Justin.
Ein weiteres Beispiel: n8n zur Automatisierung von Content-Erstellung und Social-Media-Posting.
Auch wenn Justin selbst weder Twitter noch Facebook nutzt, betont er, wie hilfreich das Tool für Content Creators sein kann – und unterstreicht damit die große Flexibilität der Plattform.
Key Takeaways für Freelancer
- Automatisiere wiederkehrende Aufgaben
Identifiziere vorhersehbare, zeitraubende Tätigkeiten – und automatisiere sie mit Tools wie Zapier. So gewinnst Du wertvolle Zeit für strategischere Arbeit. - Nutze KI-Agents für komplexere Workflows
Wenn Aufgaben Anpassungsfähigkeit oder logisches Denken erfordern, sind Tools wie ChatGPTs o3-Modell oder browserbasierte Agents wie Manus eine echte Hilfe. - Teste Tools und finde Deinen Favoriten
Probier verschiedene Plattformen aus, um herauszufinden, was zu Deinem Workflow passt. Zapier ist besonders einsteigerfreundlich, n8n bietet mehr Spielraum – braucht aber etwas Einarbeitung. - Bleib kritisch – und überprüfe die Ergebnisse
KI kann viel – aber ganz ohne Dich geht’s nicht. „Es ist nie wirklich fertig“, sagt Justin. Deine Aufgabe bleibt: prüfen, optimieren, hinterfragen. - Strukturiere Deine Prompts clever
Mit Markdown-Formatierung bringst Du Ordnung in längere Prompts. Das hilft der KI, Deine Anforderungen besser zu verstehen – und liefert klarere Ergebnisse. - Wähle das passende Setup für Deinen Use Case
Braucht Dein Prozess eine App mit Interface – oder reicht Dir eine Automatisierung im Hintergrund? Tools wie Replit oder Lovable helfen beim Erstellen von Agent-basierten Apps, während Zapier und n8n sich für „unsichtbare“ Prozesse eignen. - Bleib neugierig und entwickle Dich weiter
KI-Tools verändern sich rasant – und mit ihnen auch Deine Möglichkeiten. Halte Dich über neue Entwicklungen auf dem Laufenden und bleib offen für neue Workflows.
Bei Malt wissen wir: Freelancer investieren viel Zeit in Weiterbildung und persönliches Wachstum. Wir unterstützen Dich dabei, immer wieder neue Wege zu finden, Dein Wissen zu erweitern und produktiver zu arbeiten.
Bleib dran – unsere nächsten Webinare für Freelancer findest Du hier!
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