Wer muss berichten – und warum auch viele Nicht-Betroffene jetzt aktiv werden sollten
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) betrifft nicht alle Unternehmen gleichzeitig – sondern tritt gestaffelt in vier Wellen in Kraft. Der überarbeitete Zeitplan berücksichtigt die sogenannte „Stop-the-Clock“-Entscheidung vom Frühjahr 2025:
1. Welle – ab 2024 (erstmals berichten in 2025)
▶ Große kapitalmarktorientierte Unternehmen, die bereits der alten NFRD unterlagen
2. Welle – ab 2027 (erstmals berichten in 2028)
▶ Große Unternehmen, auf die mindestens zwei dieser Kriterien zutreffen:
- Bilanzsumme > 25 Mio. €
- Nettoumsatz > 50 Mio. €
- Mehr als 250 Mitarbeitende
3. Welle – ab 2030 (erstmals berichten in 2031)
▶ Kapitalmarktorientierte KMUs (kleine und mittlere Unternehmen)
- – Berichtspflicht ab Geschäftsjahr 2030
– Wenn kapitalmarktorientiert (z. B. börsennotiert)
– Kleinstunternehmen sind ausgenommen
– Relevanz v. a. für europäische Binnenmärkte
▶ Nicht-EU-Unternehmen mit signifikanter EU-Präsenz
- – Ebenfalls Berichtspflicht ab Geschäftsjahr 2030
– Wenn z. B.
• Umsatz > 150 Mio. € innerhalb der EU
• oder große Tochtergesellschaft in der EU
• oder große Niederlassung (> 40 Mio. € Umsatz)
Hinweis: Im Omnibus-Entwurf vom 26. Februar 2025 ist vorgesehen, die Schwellenwerte für die zweite Welle deutlich anzuheben – unter anderem auf mehr als 1.000 Mitarbeitende. Auch ein deutscher Referentenentwurf greift diese Anpassung bereits auf. Die finale Entscheidung steht zwar noch aus – doch wer bislang gerade so unter der Schwelle lag, sollte diese Entwicklung genau beobachten.
Besonders relevant für Freelancer:
Sollten die höheren Schwellenwerte tatsächlich in Kraft treten, würde ein erheblicher Teil der bislang angenommenen berichtspflichtigen Unternehmen aus der regulären CSRD-Berichtspflicht herausfallen. Das hätte direkte Auswirkungen auf die Nachfrage: Der Bedarf würde sich noch stärker in Richtung KMU und freiwilliges Reporting verlagern – also dorthin, wo pragmatische, modulare Unterstützung gefragt ist.
Warum Unternehmen trotzdem jetzt aktiv werden sollten:
Auch wenn der Zeitrahmen großzügiger geworden ist – untätig zu bleiben, wäre ein Fehler. Denn:
- Lieferkettendruck steigt: Auch nicht direkt betroffene Unternehmen werden von ihren Großkund:innen zur Offenlegung von ESG-Daten aufgefordert.
- Konzernabhängigkeiten beachten: Tochtergesellschaften von berichtspflichtigen Konzernen können ebenfalls in die Pflicht genommen werden.
- Vorsprung durch Vorbereitung: Wer jetzt schon beginnt, Strukturen zu schaffen, kann später effizient und prüfsicher berichten – statt unter Zeitdruck hinterherzuhinken.
Doppelte Wesentlichkeit: Was zählt, entscheidet sich doppelt
Die CSRD bringt nicht nur neue Pflichten mit sich – sondern auch neue Perspektiven. Eine davon ist die sogenannte „doppelte Wesentlichkeit“. Unternehmen müssen künftig in zwei Richtungen bewerten, was relevant ist:
- Outside-in: Welche Nachhaltigkeitsthemen beeinflussen das Unternehmen – etwa durch Klimarisiken, regulatorische Anforderungen oder Reputationsverluste?
- Inside-out: Welche Auswirkungen hat das eigene Handeln auf Umwelt und Gesellschaft – z. B. durch CO₂-Ausstoß, Ressourcenverbrauch oder Lieferkettenbedingungen?
„Es reicht nicht, nur zu sagen: Das machen wir schon irgendwie. Es muss nachvollziehbar und prüfbar sein.“
– Laurin Flörke
Beide Perspektiven sind verpflichtend – und prüfpflichtig. Wer wesentliche Themen nicht korrekt identifiziert, läuft Gefahr, an den Anforderungen vorbeizuarbeiten.
Damit das kein theoretisches Konstrukt bleibt, gab Laurin im Webinar konkrete Tipps:
- Erstellen Sie eine Wesentlichkeitsmatrix: Starten Sie mit einer fundierten Stakeholderanalyse und priorisieren Sie Themen gemeinsam mit den Fachbereichen.
- Beziehen Sie externe Unterstützung ein: Expert:innen helfen, Bewertungslogiken sauber aufzusetzen, relevante Standards einzuordnen und Datenlücken frühzeitig zu erkennen.
- Dokumentieren Sie sauber: Ein prüfsicherer Prozess braucht Klarheit in der Herleitung – kein Bauchgefühl.
Kurz gesagt: Ohne Struktur wird doppelte Wesentlichkeit doppelt mühsam. Doch mit dem richtigen Setup wird daraus eine echte Chance, Nachhaltigkeit strategisch zu verankern – und Reporting effizient aufzusetzen.
Was jetzt zu berichten ist: Die Rolle der ESRS
Die CSRD schreibt Unternehmen vor, über ihre Nachhaltigkeitsleistung zu berichten – aber wie genau soll das eigentlich aussehen? Dafür hat die EU die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) entwickelt. Sie geben detailliert vor, welche Themenfelder verpflichtend zu behandeln sind, welche Kennzahlen zu liefern und welche qualitativen Informationen offenzulegen sind.
Im Webinar betonte der Experte: „Die ESRS sind nicht als Empfehlung gedacht – sie werden verpflichtend angewendet.“
Die Standards gelten ab dem ersten Berichtspflichtjahr – und erfordern einen strukturierten, nachvollziehbaren Umgang mit Daten. Dabei geht es nicht nur um Umweltkennzahlen, sondern auch um soziale Themen, Governance und interne Kontrollsysteme.
Klar wurde im Webinar außerdem:
- Ohne zentrale Struktur wird’s unübersichtlich: Die Datenerhebung erfolgt oft verteilt über mehrere Abteilungen – umso wichtiger sind verbindliche Prozesse und Verantwortlichkeiten.
- Standardisierung spart Aufwand: Wer heute schon eine saubere Systematik für KPIs, Prozesse und Rollen aufsetzt, kann später viel manuelle Nacharbeit vermeiden.
- Technologische Unterstützung einplanen: Früher oder später braucht es digitale Tools, um Kennzahlen effizient und prüfsicher zu erfassen – das sollte jetzt mitgedacht werden.
Gerade Freelancer mit Know-how in Datenmanagement, Reporting oder ESG-Standards können Unternehmen hier frühzeitig beim Aufbau professioneller Strukturen unterstützen – lange bevor der erste Bericht überhaupt geschrieben wird.
VSME: Ein schlanker Start ins ESG-Reporting – auch ohne Pflicht
Nicht jedes kleine Unternehmen muss sofort nach der CSRD berichten – aber viele wollen oder müssen freiwillig liefern. Genau dafür gibt es den VSME: einen vereinfachten ESG-Standard, der gezielt für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt wurde.
Was ist der VSME?
Ein freiwilliger europäischer Berichtsstil für KMU, der die Offenlegung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen standardisiert – ohne die volle Komplexität der regulären CSRD. Entwickelt wurde der VSME von der EFRAG, um strukturiertes, praxistaugliches Reporting zu ermöglichen – auch ohne gesetzliche Berichtspflicht.
Für wen ist VSME gedacht?
Für alle kleinen und mittleren Unternehmen, die freiwillig zur Nachhaltigkeit berichten möchten – sei es aus Eigeninitiative, auf Wunsch von Partnern oder wegen zunehmender ESG-Anforderungen in der Lieferkette.
Wie funktioniert VSME?
Der VSME besteht aus zwei Modulen:
- Basic Module mit zentralen ESG-Kennzahlen
- Comprehensive Module mit weiterführenden Angaben
Insgesamt deckt er rund 20 Berichtspflichten mit ca. 100 Datenpunkten ab – skalierbar je nach Unternehmensgröße und Kapazität.
Was bringt VSME?
- Niedrigschwelliger Einstieg: Strukturierte Berichterstattung ohne überbordende Bürokratie
- Flexibel und anpassbar: Für Handwerksbetriebe genauso wie Tech-Startups
- Kosteneffizient und skalierbar: Je nach Reifegrad und Ressourcen
- Zukunftssicher: Der VSME ist mit den ESRS kompatibel – ein späterer Umstieg wird dadurch leichter
- Stärkere Glaubwürdigkeit: Wer ESG-Daten im VSME-Format teilt, zeigt Dialogbereitschaft und Professionalität
- Shielding-Effekt: Der Standard begrenzt, welche ESG-Daten große Unternehmen von kleineren Partnern anfordern dürfen – ein Schutzmechanismus für nicht berichtspflichtige Firmen
Warum ist das jetzt relevant?
Mit dem CSRD-Omnibus werden viele Unternehmen aus der Berichtspflicht herausfallen – doch der Druck, ESG-Daten zu liefern, bleibt. Für diese Firmen wird der VSME zum bevorzugten Rahmenwerk. Die Nachfrage steigt – und damit auch die Relevanz für Freelancer, die sie dabei unterstützen können.
Technische Unterstützung: Warum Tools hilfreich sind – aber kein Muss
Nicht jedes Unternehmen braucht sofort eine ausgefeilte ESG-Software. Gerade beim freiwilligen VSME-Standard lassen sich viele Anforderungen zunächst auch ohne Toollandschaft umsetzen. Trotzdem gilt: Je strukturierter die Datenerhebung, desto einfacher wird es, belastbare Reports zu erstellen – besonders, wenn das Volumen steigt oder eine externe Prüfung ansteht.
Viele Unternehmen stehen noch ganz am Anfang. ESG-Daten werden manuell gesammelt, oft in Silos – was schnell zu Inkonsistenzen, Reibungsverlusten und unnötigem Mehraufwand führt. Hier können digitale Tools deutlich entlasten – müssen es aber nicht zwingend von Anfang an.
Und genau hier kommst Du als Freelancer ins Spiel:
- Du unterstützt Unternehmen dabei, passende Lösungen zu finden – vom pragmatischen Start bis zur skalierbaren Tool-Einführung.
- Du hilfst, Datenflüsse sauber aufzusetzen, die manuelle Fehlerquellen reduzieren.
- Du bringst die nötige Struktur, damit Prozesse dokumentiert und prüfsicher abgebildet werden – und begleitest Teams durch den Change.
Fazit: Technische Tools sind kein Muss – aber oft der kluge nächste Schritt. Und Deine Expertise macht für Unternehmen den Unterschied zwischen bloßer Pflichterfüllung und effizientem, zukunftsfähigem Reporting.
Externe Unterstützung gefragt – und das ist Deine Chance
Für viele Unternehmen ist die CSRD-Transformation Neuland – und das bedeutet: Sie sind auf der Suche nach Unterstützung. Als Freelancer mit Expertise in Nachhaltigkeitsstrategie, Reporting oder Datenmanagement kannst Du hier echten Unterschied machen.
Genau diese Rolle kannst Du einnehmen – ob als Sparringspartner:in in der Strategiephase, als strukturierende Kraft in der Wesentlichkeitsanalyse oder als operative Unterstützung bei der Tool-Einführung und Datenaufbereitung.
Besonders gefragt sind Freelancer aktuell für:
- die Entwicklung und Moderation von Wesentlichkeitsanalysen
- die Einordnung und Anwendung der ESRS-Vorgaben
- die Gestaltung schlanker Reporting-Strukturen
- die Auswahl und Einführung passender Tools & KPIs
- die Schulung von Teams oder Management
Was Du mitbringen solltest: methodisches Know-how, ein sicheres Verständnis der regulatorischen Anforderungen – und die Fähigkeit, komplexe Themen verständlich aufzubereiten.
Das Beste: Die Nachfrage wächst. Wer sich jetzt sichtbar macht und als Orientierungshilfe positioniert, wird nicht nur gebraucht – sondern gewinnt wertvolle, langfristige Projekte.
CSRD als Projektchance: So positionierst Du Dich jetzt richtig
Für viele Unternehmen ist die CSRD-Transformation Neuland – komplex, ressourcenintensiv und mit hohem Zeitdruck verbunden. Genau hier entsteht Raum für externe Expert:innen, die nicht nur die Vorschriften kennen, sondern Orientierung schaffen.
Im Webinar wurde klar:
„Du brauchst jemanden, der Dir sagt: Das ist der Weg – das sind die Standards, das ist die Systematik, wie Du einsteigst.“
So hat es Laurin Flörke formuliert – und damit den Bedarf auf den Punkt gebracht.
Als Freelancer kannst Du diese Rolle einnehmen:
- in der strategischen Vorbereitung (z. B. Wesentlichkeitsanalyse, CSRD-Roadmap)
- bei der technischen Umsetzung (z. B. Tool-Einführung, KPI-Definition)
- oder als operative Entlastung, wenn intern Ressourcen fehlen
Besonders gefragt sind aktuell Freelancer mit Erfahrung in Nachhaltigkeitsberichterstattung, Regulatorik, Datenmanagement oder Kommunikation – aber auch methodisch starke Generalist:innen, die komplexe Themen strukturiert und verständlich aufsetzen können.
Tipp:
Zeig in Deinem Malt-Profil, welche Skills Du einbringst, welche Erfahrungen Du hast – und wie Du konkret Mehrwert stiftest. Wer sich jetzt richtig positioniert, sichert sich nicht nur spannende Projekte, sondern auch einen entscheidenden Platz im Wandel.