Frauen profitieren vom Schritt in die freiberufliche Unternehmensberatung

Beratungsunternehmen weltweit bemühen sich seit Jahren verstärkt um Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Doch noch immer arbeiten weniger Frauen als Männer in der Beratungsbranche. Auch bei den unabhängigen Consultants überwiegt der Anteil der Männer in unserem Beraterpool mit 65 % deutlich. Hier treffen sich Freiberuflichkeit und Beratung aufeinander.

Was können wir von Frauen lernen, die sich als Berater*innen selbständig gemacht haben?

Das herauszufinden war Ziel einer COMATCH-Studie basierend auf der Analyse von 220.000 Datenpunkten aus unserem operativem Geschäft sowie Befragungen unseres Beraternetzwerks. Der ausführliche Bericht präsentiert viele neue Erkenntnisse, von denen einige erwartet und andere überraschend waren. Der COMATCH-Bericht „Women in Independent Consulting“ beleuchtet die unterschiedlichen Aspekte der Gleichstellungsarbeit in der heutigen Zeit. Unser Ziel ist es, eine bessere Zukunft für Frauen im Consulting zu gestalten. Die nachfolgenden Einblicke liefern wertvolle Anstöße für eine wichtige Diskussion.

[cta-button url="https://www.comatch.com/de/team/women-in-independent-consulting/woman-in-consulting-2/" title="Bericht lesen"]

Die Statistik: Frauen sind in der Consulting-Branche immer noch unterrepräsentiert

Wer die Consulting-Branche kennt, weiß, dass Frauen in Beratungspositionen traditionell unterrepräsentiert sind – insbesondere in den höheren Führungsebenen. Zwar ist die Zahl weiblicher Beschäftigter in der Beratungsbranche laut einer britischen Studie in den vergangenen Jahren um 190 % gestiegenen, allerdings ist der Frauenanteil unter den Consultants insgesamt um 5 % gesunken.

Der gleiche Trend zeigt sich in der freiberuflichen Unternehmensberatung: Auch hier sind Frauen in der Minderheit. Unsere interne Studie hat ergeben, dass lediglich 19 % der Freelancer in unserem Berater-Netzwerk weiblich sind, also auf jede Frau vier Männer kommen.

Ein Blick auf die größten Beratungsmärkte in Europa zeigt, dass unser französisches Netzwerk mit 24 % den höchsten Frauenanteil aufweist. Im Vereinigten Königreich sind 22 % unserer Consultants Frauen, in Deutschland lediglich 17 %. Insgesamt gilt: Je jünger die Altersgruppe, umso ausgeglichener ist das Geschlechterverhältnis. Beispielsweise sind in der Altersgruppe über 61 lediglich 7 % der Mitglieder unseres Netzwerks Frauen. Hingegen sind in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen 31 % der Freelancer Beraterinnen.

Allgemein lässt sich feststellen, dass Frauen eine freiberufliche Tätigkeit heute als solidere Möglichkeit erachten als noch in der Vergangenheit. So gaben die Befragten an, durch Nutzung von Drittanbieter-Plattformen einige der Risiken der freiberuflichen Beratung minimieren zu können. Wie eine britische Teilnehmerin es zusammenfasste: „Man ist nicht ausschließlich auf das eigene Netzwerk angewiesen, erhält Unterstützung auf Infrastrukturebene, etwa bei der Rechnungsstellung, und fühlt sich als Teil einer Community. Die Freiberuflichkeit ist ein möglicher Karriereweg, und ich hoffe, dass sich künftig mehr Frauen ermutigt fühlen, diesen Weg einzuschlagen.“

Karriereverlauf und -ziele

Unsere Studie bekräftigt, dass Frauen in der Beratung tendenziell früher im Berufsleben höhere Stufen auf er Karriereleiter erreichen. Allerdings erklimmen wie erwähnt nur wenige Frauen „die oberste Stufe der Leiter“. Die Frauen im Netzwerk sind auf der gleichen Karrierestufe im Durchschnitt jünger als ihre männlichen Kollegen und dieses Phänomen setzt sich mit zunehmenden Berufsjahren fort. Dies spiegelt sich auch in der Beratungsbranche insgesamt wider: Hier liegt der Frauenanteil in den Einstiegspositionen bei 40 bis 50 %, doch in den höheren Positionen fällt er im Laufe der Zeit deutlich ab.

Des Weiteren hat die Studie beleuchtet, was Frauen zum Schritt in die Freiberuflichkeit veranlasst. Während es grundsätzlich dieselben Dinge sind, die sich Männer und Frauen von der Selbständigkeit erhoffen, sind Frauen stärker vom Wunsch nach Selbstbestimmung getrieben. Die Aussage „Ich habe mich für die Selbständigkeit entschieden, weil ich...“ beantworteten Frauen häufiger als Männer mit einer der folgenden Antworten:

● zeitlich flexibler bin

● meinem Berufsleben mehr Sinn geben wollte

● mehr freie Zeit habe

● remote arbeiten kann

● mehr Verantwortung habe

● weniger berufsbedingt reisen muss

Die Hauptmotivation für beide Geschlechter ist jedoch, freier entscheiden zu können, insbesondere über Projektthemen. Gleichzeitig sind Frauen stärker vom Wunsch getrieben, remote arbeiten zu können, mehr freie Zeit zu haben und weniger berufsbedingt reisen zu müssen. Der größte Unterschied fand sich im Hinblick auf die Möglichkeit, remote arbeiten zu können: 10 % mehr Frauen als Männer gaben diesen Beweggrund als ausschlaggebenden Faktor für den Schritt in die Selbständigkeit an.

Dennoch wagten 2020 deutlich weniger Frauen den Schritt in die Selbständigkeit. Die Vermutung liegt nahe, dass viele unter dem Einfluss der Coronavirus-Pandemie und der damit verbundenen Unwägbarkeiten eine solche Veränderung als zu riskant erachteten. Obwohl das COMATCH-Netzwerk kontinuierlich wächst, fiel der Rückgang bei den Bewerberinnen um 49 % höher aus als bei den Männern.

Allerdings nahmen Frauen im COMATCH-Netzwerk 2020 häufiger Projektangebote an. Die Freiheit, Aufträge abzulehnen, zählt für Consultants zu den wesentlichen Vorzügen der Freiberuflichkeit. 2020 lehnten die weiblichen Mitglieder des Netzwerks Aufträge jedoch seltener ab als in den Vorjahren. Darüber hinaus ergab die Studie, dass Frauen im Vergleich zu männlichen Beratern mit 13 % höherer Wahrscheinlichkeit zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurden, nachdem die Kunden ihren Lebenslauf gesehen hatten, und mit 7 % höherer Wahrscheinlichkeit den Projektzuschlag erhielten, nachdem sie ein persönliches Gespräch mit dem potenziellen Kunden geführt hatten. Der Anteil der von Frauen abgeschlossenen Projekte betrug insgesamt 18 %, wobei diese im Durchschnitt mit

4,5 von 5 Punkten bewertet wurden. Dies könnte auf die jahrzehntelangen Bemühungen der Frauen zurückführen sein, mehr zu leisten, um in der Berufswelt die gleiche Anerkennung zu erfahren wie Männer.

Berater und Beraterinnen gleichen sich in bestimmten Wesenszügen

Wir haben einige Unterschiede zwischen freiberuflichen Beratern und Beraterinnen angesprochen. Gleichzeitig teilen Menschen, die sich für diesen Beruf entscheiden, oftmals im Kern gewisse Charaktereigenschaften. Mithilfe unserer fundierten StyleMatch-Assessments haben wir den individuellen Arbeitsstil unserer Consultants analysiert. Demnach zeichnen sich Unternehmensberater*innen generell eher durch „Macher“- denn durch „Analytiker“-Qualitäten aus und sind häufiger „kollektive“ als „individuelle“ Denker*innen. Beraterinnen haben häufiger einen diplomatischen Kommunikationsstil und sind bei Projekten eher „Explorer“ als „Struktur-Fans“. Die Abweichungen sind jedoch sehr gering (unter 5 %).

Betrachtet man die Beratungswelt insgesamt, so sind Männer und Frauen in bestimmten Branchen gleich stark vertreten (z. B. Digital Business und Financial Services). Je nach Branche variiert der Frauenanteil allerdings deutlich. Zu den Bereichen mit dem höchsten Frauenanteil zählen:

● Textilindustrie

● Konsumgüter

● Luftverkehr und Tourismus

Freiberufliche Consultants sind in der Regel auf zwei bis fünf Fachbereiche spezialisiert. Auch hier variiert der Geschlechteranteil abhängig vom Themenfeld. Die drei von den Befragten am häufigsten genannten Themen sind geschlechterunabhängig: Change Management, Business Plan Development und Growth Strategy. Der höchste Anteil an Beraterinnen findet sich in den Bereichen Marketing und HR.

Wie steht es um das Lohngefälle?

Generell besteht in der EU ein Lohngefälle von durchschnittlich 14 % (d. h. Frauen verdienen in der Stunde 14,1 % weniger als Männer). Es ist anzumerken, dass diese Zahlen von Land zu Land stark schwanken, allerdings arbeiten progressive Unternehmen aktiv daran, hier jedes Jahr weitere Fortschritte zu erzielen. Der „Gender Pay Gap“ existiert auch in der Beratungsbranche, doch geben die Zahlen hier mehr Anlass zur Hoffnung.

Der Tagessatz von Beraterinnen liegt quer durch alle Branchen, Fachrichtungen, Hierarchieebenen und Nationalitäten bei durchschnittlich 1.112 Euro (versus 1.180 Euro bei den Männern). Der Gender Pay Gap bei den selbst gewählten Tagessätzen liegt damit bei 6 %. Einer der schwierigeren Aspekte in der freiberuflichen Unternehmensberatung ist die Einschätzung des eigenen Marktwertes und die Festlegung des entsprechenden Honorars. Doch sowohl Frauen als auch Männer können dadurch eine finanzielle Fehleinschätzung korrigieren, die sie zu Beginn ihrer Laufbahn womöglich getroffen haben. Dies dürfte auch einer der Gründe dafür sein, weshalb das Lohngefälle in unserer Studie mit den Berufsjahren kleiner wird. So zeigt unser Bericht, dass der Pay Gap mit zunehmender Berufserfahrung kleiner wird und in den höheren Positionen nur noch 2,9 % beträgt.

Beraterinnen profitieren vom Schritt in die Selbständigkeit

Eines der erfreulichsten Ergebnisse der Studie ist die Zufriedenheit der Berater*innen im Hinblick auf ihre Selbständigkeit. Die überwältigende Mehrheit der Frauen – 92 % – ist mit ihrer Lebenssituation als freiberufliche Beraterin zufrieden (drei von vier Frauen gaben sogar an, zufriedener zu sein als in ihrer vorigen Rolle). Diese Zahl liegt deutlich über den generellen Zufriedenheitswerten im Vereinigten Königreich: Untersuchungen zeigen, dass lediglich 64 % der Menschen mit dem eigenen Arbeitsplatz zufrieden sind (dies ist ein signifikanter Rückgang im letzten Jahrzehnt).

Des Weiteren berichteten die befragten Beraterinnen, dass sich ihre Erwartungen an die Selbständigkeit erfüllt hätten. Bei sieben der zehn Motive für den Schritt in die Selbstständigkeit vergaben die Frauen höhere Punktzahlen als die Männer. Besonders in Bezug auf Geschäftsreisen, Remote-Arbeit und Entscheidungsfreiheit bei der Wahl der Kunden und Projektthemen haben sich die Erwartungen der Frauen stärker erfüllt als jene der Männer.

Heidi Hofer, eine freiberufliche Beraterin aus Deutschland, äußerte sich folgendermaßen: „Es hat eine Weile gedauert, bis ich meinen Weg gefunden habe, aber es war die beste Entscheidung überhaupt. Ich genieße es, aus dem Tagesgeschäft und der Firmenpolitik raus zu sein, für einige Monate Teil von etwas zu sein und dann wieder gehen zu können. Man muss lernen, mit der Ungewissheit zu leben, aber es lohnt sich. Ich bin definitiv zufriedener als vorher.“

Der vollständige Bericht über Frauen in der Unternehmensberatung ist hier zu finden. Hast du Interesse daran, dich als Unternehmensberater*in selbstständig zu machen? Werde Teil unseres Netzwerks und übernehme anspruchsvolle Projekte bei namhaften Kunden.